6 Fragen mit Liam Rivera

6 Fragen mit Liam Rivera

Erschienen am: 28.05.2026

Liam Rivera, Freeride World Champion und Teil der POW Athlete Alliance, spricht über seine Leidenschaft für die Berge, seinen Weg im professionellen Freeride-Snowboarden und die Herausforderungen, die der Klimawandel für den Wintersport mit sich bringt.

Liam, von der Liebe zu den Bergen bis zur Leidenschaft für den Sport, von Skiern zum Snowboarden – wie hat alles angefangen?

Gute Frage. Meine Eltern haben mich mit etwa zwei oder drei Jahren auf die Skier gestellt. Als ich fünf war, lebten wir ein Jahr lang in Portugal, und dort entdeckte ich meine Begeisterung fürs Surfen. Als wir zurück in die Schweiz zogen, wollte ich Snowboarden ausprobieren, weil es sich wie das Nächstliegende dazu angefühlt hat.

Mit neun begann ich zu snowboarden und fuhr einfach alles, was ich konnte. Mit 14 meldete ich mich eher aus Neugier für meinen ersten Freeride-Wettkampf an, um zu sehen, wie das so ist. Es lief überraschend gut, und ich lernte viele Gleichgesinnte kennen, was mich motivierte, noch mehr zu fahren und mich weiterzuentwickeln. Von dort an ergab sich alles ziemlich natürlich: Qualifiers, dann die Challengers und jetzt die FWT. Es gab keinen einzelnen Schlüsselmoment, sondern eher eine kontinuierliche Reise, angetrieben von Leidenschaft.

Vor Kurzem hast du das Xtreme Verbier gewonnen, einen Wettkampf, den du schon als Kind verfolgt hast. Und jetzt bist du auch Freeride-Weltmeister. Wie fühlt sich das an?

Das sind zwei Erfolge, von denen ich als Kind nur träumen konnte, deshalb fühlt sich das alles immer noch ein bisschen surreal an. Für mich sind das die zwei grössten Wettbewerbe im Freeride, und beide in derselben Saison zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes.

Vor allem aber empfinde ich grosse Dankbarkeit, dafür, dieses Leben führen zu dürfen, in den Bergen unterwegs zu sein und diese Momente mit meinen Freunden teilen zu können. Genau das macht es für mich bedeutungsvoll.

Wie siehst du deine eigene Rolle dabei, die Szene weiterzuentwickeln und voranzubringen?

Für mich geht es darum, dass Snowboarden Spass machen soll. Am Ende des Tages sind wir in den Bergen, weil wir es lieben: draussen in der Natur zu sein, mit Freunden zu fahren und den Moment zu geniessen.

Wenn ich diese Einstellung weitergeben kann, besonders an jüngere Rider, dann macht mich das glücklich. Ich glaube, solange man Spass hat, egal ob Profi oder Anfänger, macht man es richtig. Genau das zählt wirklich.

Wie sieht dein Leben abseits der Berge aus? Welche Werte und Leidenschaften prägen dich ausserhalb des Wettkampfsports?

Die letzten Jahre waren ziemlich intensiv, weil ich meinen Abschluss an der Universität Bern abgeschlossen habe. Im Winter bin ich natürlich viel unterwegs, deshalb habe ich im Sommer jeweils alles aufgeholt.

In Zukunft möchte ich neben meiner professionellen Snowboard-Karriere auch Berufserfahrung sammeln. Abgesehen davon bin ich generell sehr sportbegeistert: Surfen, Klettern, Biken, Squash, manchmal auch Fussball. Und mir ist die Zeit mit Freunden sehr wichtig, sei es im Sommer am See oder einfach bei einem entspannten Abend zusammen.

Wintersportarten sind zunehmend von veränderten Schneebedingungen betroffen. Wie hast du persönlich die Auswirkungen des Klimawandels auf dein Training und deine Wettkämpfe erlebt?

Ich habe die Veränderungen über die Jahre definitiv bemerkt. In der Schweiz zum Beispiel sind Waldabfahrten und das Fahren in tieferen Lagen deutlich unzuverlässiger geworden, und die Schneegrenze hat sich klar nach oben verschoben. Skigebiete, in denen ich aufgewachsen bin und die früher regelmässig Powdertage hatten, kämpfen heute oft darum, die ganze Saison geöffnet zu bleiben.

Auch bei Wettkämpfen erleben wir weniger stabile Wetterfenster, geringere Schneemengen und allgemein unvorhersehbarere Bedingungen. All das beeinflusst direkt, wie und wo wir fahren können.

Angesichts steigender Temperaturen, die traditionelle Wintersportarten zunehmend herausfordern: Welche Veränderungen sind deiner Meinung nach notwendig, um Disziplinen wie Freeride-Snowboarden für kommende Generationen zu erhalten?

Ich denke, es ist wichtig, hier ehrlich zu sein: Es gibt keine einzelne Lösung. Es ist eine gemeinsame Herausforderung, die auf vielen Ebenen angegangen werden muss, von Einzelpersonen bis hin zu Industrie und Politik.

Auf persönlicher Ebene beginnt es mit einfachen Dingen: bewusst mit den Bergen umzugehen, Abfall zu reduzieren und wenn möglich verantwortungsvoller zu reisen. Gleichzeitig braucht es aber auch grössere strukturelle Veränderungen, um Winterlandschaften langfristig wirklich zu schützen.

Für mich geht es auch um Bewusstsein, zu verstehen, was auf dem Spiel steht, und die Orte wertzuschätzen, an denen wir unterwegs sind. Wenn wir möchten, dass zukünftige Generationen dieselben Berge erleben können wie wir, müssen wir alle Verantwortung übernehmen.